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Frau Mag. Celine Tüyeni schrieb einen faszinierenden Reisebericht über Namibia

NAMIBIA- ein Land voller Überraschungen









Namibia Reise


Game Drive






Swakopmund


Namib






 

Ein Reisebericht von Celine Tüyeni

Der Blick aus dem Fenster bot uns hellgrüne grasbedeckte Flächen soweit das Auge reichte. Erwartet hatten wir trockene Steppe oder gar Wüste. Wir waren knapp vor der Landung in Windhoek und die erste Überraschung war perfekt.

Das Wetter empfing uns mit ein paar dekorativen Schönwetterwölkchen und angenehmen 22°C – das Land war uns auf Anhieb sympathisch. Wir hatten eigentlich kaum eine Ahnung, was uns erwarten würde, aber schon der Anfang machte uns Lust auf mehr. Wir waren sehr gespannt…

Ursprünglich wollten wir nur nach Südafrika: Kapstadt und Umgebung erkunden, Wein verkosten, gut essen und uns erholen. Aber mein aktiver Mann meinte, so weit fliegen – da müsste doch mehr drin sein. Also Namibia – ein Land, das uns völlig fremd war. Wir hatten nur acht Tage Zeit, wollten nur schnuppern, mal sehen, ob uns soviel Afrika überhaupt gefällt. Es gefiel… aber wieder zum Reiseanfang.

In Richtung Waterberg Plateau

Unser Mietauto (holidayautos – funktioniert immer wunderbar) stand am Airport bereit, sodass wir gleich Richtung Waterberg Plateau aufgebrochen sind, an Windhoek vorbei und gänzlich ohne Bargeld. Der ATM am Airport wollte keine österreichischen Karten und namibische Dollar gibt es in Österreich nicht. Was soll’s, dachten wir uns, irgendwo werden wir schon Bargeld auftreiben. Und zur Not hatten wir südafrikanische Rand dabei. Tatsächlich, in einem Ort namens Otjiwarongo, gab es eine Bank mit ATM und Maestro Zeichen – wir waren wieder flüssig. Mit „O“ beginnen in der Gegend übrigens fast alle Ortsnamen und waren kaum auseinander zu halten, wir nannten sie daher alle O-Dorf.

Die Fahrt zum Waterberg Plateau dauert angeblich ca. 6 Stunden, laut Bekannten sollten wir mindestens zwei Ersatzreifen mitnehmen, die Straßen wären so schlecht. Ein Reifen musste reichen, ein zweiter war zu teuer, und die Straßen waren wunderbar, in etwas über 4 Stunden waren wir da. Und das war auch gut so, denn das war knapp vor 18 Uhr und da ist es bereits stockfinster. Straßenbeleuchtung gibt es am Land nicht, und schon gar nicht auf Sandstraßen – dafür aber umso mehr wilde Tiere, die in der Dämmerung den Weg kreuzen. Ein Game Drive und das gratis. Wieder eine Überraschung!

Auf zum Game Drive

Nächster Tag 14 Uhr Abfahrt zum wirklichen Game Drive. Auf die Fahrt um 6 Uhr früh haben wir dankend verzichtet, schließlich waren wir auf Urlaub und nicht auf der Flucht. Die Abenddämmerung musste es auch tun! In einem offenen Jeep – was das bedeutete, wurde uns erst später klar – ging es hinauf auf das Waterberg Plateau. Die Vegetation wurde immer grüner und dichter, voll von Büschen, Bäumen und meterhohem Gras. Das Wasserloch war eher enttäuschend, gähnende Leere. Aber warum sollten da auch Tiere sein? Der Ranger klärte uns auf: Schließlich hatte es in der Regenzeit im Februar und März so viel geregnet wie schon 70 Jahre nicht mehr. Die Tiere hatten überall anders genug Wasser, ohne sich vor Touristen zur Schau stellen zu müssen um an das begehrte Nass zu kommen… Das erklärte auch das ungewöhnliche Grün, das das Land überzog. Doch Gott sei Dank standen sie bald schon da: erst eine einzelne Giraffe, dann eine Familie und plötzlich eine ganze Herde. Säbelantilopen stürmten davon und hinterließen eine Staubwolke. Neben mir hörte ich nur das unaufhörliche Klicken der Kamera – wie gut, dass ich diesmal fotofrei hatte! Da: Ein Nashornhintern – und schon wieder weg. Im dichten Gebüsch war es nicht leicht, die niedrigeren Tiere zu erspähen.


Sonnenuntergang in Namibia

Zum Sonnenuntergang bekamen wir unseren ersten Sundowner – ein obligates Getränk zum Sonnenuntergang in Namibia. Wir haben auch gleich gemerkt warum: zum warm halten. Mit der Sonne fallen auch die Temperaturen in den Keller. War es beim Stehen schon frisch, so fühlte ich mich im offenen Jeep bei 60 km/h am Heimweg wie in Shorts auf der Skipiste. Beim Abendessen konnten wir uns wieder erwärmen. Der Traum für Fleischliebhaber: Steak vom Rind, Kudu, Strauß, Springbok, alles was das Herz erfreut – so lange man Steak mag. Sonst wird es eng, denn in dem Land wächst nicht viel. Bei uns hatte sich sogar ein Gemsbok-Gulasch auf die Speisekarte geschlichen. Kleingeschnittenes Steak mit Sauce …

Man spricht Deutsch

Unsere Reise führte uns weiter über verschiedene O-Dörfer Richtung Meer. In den Orten entlang unserer Route wurden wir wieder überrascht: „Backstuben“, „Gasthäuser“, „Biergärten“ und „Läden“ für allerlei säumten unseren Weg, auf Kreidetafeln wurde „Eisbein mit Sauerkraut“ und „Bratwurst mit Kartoffelsalat“ angeboten. Dass Namibia einst eine deutsche Kolonie war, wussten wir wohl, aber so viel deutsches Sprachgut hatten wir nicht erwartet. In Swakopmund, der Stadt im Sand am Meer, findet Deutsches seinen Höhepunkt. Zwischen Fachwerkhäusern und Braustuben kamen wir uns vor wie im falschen Film. Hallo – wir sind in AFRIKA! Dass uns jeder weiße Namibier, den wir auf Englisch ansprachen, sofort auf Deutsch antwortete, hat den Eindruck eines Paralleluniversums nicht gerade gemildert. Aber dafür hat Fisch unseren Speiseplan bereichert. Neben allerlei sonstigem Meeresgetier haben es uns besonders die frischen Austern von Walvis Bay angetan: die wurden uns mit Sekt auf einer wunderbaren Katamaran-Tour serviert – vorbei an Flamingos, Delphinen und Seelöwen. Zwei Seelöwen haben uns sogar an Bord besucht. Ein nicht nur kulinarischer Höhepunkt der Reise!

Swakopmund

Swakopmund wurde auf Sand gebaut, dementsprechend beginnen gleich dahinter die Dünen. Nie hätte ich mir gedacht, dass ich mit so etwas jemals fahre: Aber per Quadbike haben wir sie erkundet und sind rauf und runter durch scheinbar gleich aussehenden Sand gedüst. Ich habe nach 5 Minuten die Orientierung verloren, aber die Wüste war wunderschön. Und doch erst ein Vorgeschmack auf die Namib, die dritte und letzte Station unserer Reise durch Namibia.

10 km nach Swakopmund war es aus mit Asphalt. 100 km weiter haben wir nach viel Gerüttel und Geschüttel langsam einen Eindruck bekommen, warum Ersatzreifen in Namibia ein sicheres Gefühl geben. Ewig ging es geradeaus durch Steppe. Mal schaute uns rechts ein Strauß unverwandt beim Vorbeirattern zu, mal begleitete uns eine Oryxantilope im Galopp. Plötzlich tauchte neben uns ein Canyon und vor uns Hügel auf – nur um nach ein paar Kilometern wieder in flache, aber viel grünere Steppe überzugehen. Wir übernachteten am Weg in einem einsamen Bungalow auf einer Farm. Kuangu kuangu – das Paradies auf Erden. Vor lauter Gras zunächst kaum zu sehen, überraschte uns der Bungalow mit Bad im Freien unter dem Sternenhimmel – dem schönsten, den wir je gesehen haben. Das Firmament funkelte und glitzerte, die Milchstraße war so hell wie ich es noch nirgends erlebt habe. Klar, die Umgebung war auch so dunkel wie nirgends sonst! Nach dem obligaten Sundowner und einem „homecooked Meal“ sind wir am Abend ewig draußen gesessen und haben in die Sterne geblickt. Unter dem Kreuz des Südens hat uns der Sandmann eingeholt …

Tor zur Namib

Richtung Sessriem, dem Tor zur Namib, wird die Beschilderung dünn und die Strasse löchrig, aber der Boden immer saftiger. Verdammt, da fährt man in die Wüste und alles ist grün! Fast könnte man sich ärgern, aber dazu war es zu schön. Wo sonst einzelne Büschel verdorrt stehen, war das Gras teilweise einen halben Meter hoch. Bis auf die „Fairy Circles“, das sind kreisrunde Flächen, wo nichts wächst, und niemand weiß warum. Das Land sieht damit ein wenig aus als hätte es Masern.

Zum nächsten Sonnenaufgang waren wir bei den ersten, die in die Dünen fuhren. Das Spiel von Licht und Schatten war faszinierend, das Rot unglaublich intensiv – das Gras blieb größtenteils am Boden, es zog sich nur selten die Dünen hinauf. Wir erstiegen die Düne 22, es war wie eine Kneippkur. Sandalen sind ja praktisch, damit der Sand hinten gleich wieder raus fließen kann, aber bei knapp 10°C Außentemperatur werden die eigenen Füße zu Eisbein. Von oben hatten wir einen traumhaften Blick auf das Sossusvlei – der See am Ende des Flusses, der nur zur Regenzeit fließt. Er war prallvoll mit Wasser. Wir waren überwältigt.

Heimweg

Die letzte Überraschung erwartete uns am Weg retour nach Windhoek: die einzige Tankstelle auf 400 km Schotterstraße durch die Einöde war im Jänner geschlossen worden. Ein deutscher Junge auf Farmurlaub verkaufte uns barfuß netterweise 5 Liter Benzin aus der Flasche zum doppelten Preis. Wir hätten wohl alles bezahlt!

Acht Tage in Namibia kamen uns vor wie drei Wochen, so viel haben wir erlebt – und doch war es viel zu kurz. Wir haben uns in das Land verliebt. Ich bin sicher, irgendwann wird es noch viel mehr Überraschungen für uns bereithalten!

PS: Die Reifen haben gehalten!




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