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Zu Fuss nach Peking

Ein Reisebericht von Peter Ziegelwanger


Wenn unsere Passagiere mit uns fliegen, so wollen sie schnell, bequem und vor allem sicher von A nach B gelangen. Was dazwischen liegt, interessiert sie oft wenig. Es ist meine Arbeit, diese Menschen von A nach B zu bringen. Ich liebe meinen Beruf und ich liebe das Fliegen. Doch ich frage mich immer wieder: Wie leben die Menschen dort unten?

Der Weg ist das Ziel

Mittlerweile habe ich mich schon einige Male aufgemacht um herauszufinden, was sich wirklich während der langen Flugstunden „da unten tut“. Unsere Firma bot mir durch unbezahlten Urlaub und geblockte Teilzeit die Möglichkeit zu längeren Freizeitperioden. Diese habe ich dringend gebraucht, denn der Weg nach Delhi, Singapur, Almaty, Kuala Lumpur oder Kapstadt ist ziemlich lang, sofern man ihn am Wiener Südbahnhof anfängt.

--> Transsibirische Eisenbahn nach Peking ?

Meine Lieblingsstrecken sind allerdings jene Richtung Nordosten: Japan und China. Dazwischen erwarten mich die Weiten Sibiriens mit ihrer Wildnis, den gastfreundlichen Menschen, der klirrenden Kälte im Winter und den riesigen Gelsenschwärmen im Sommer. Vor allem aber liegt dazwischen ziemlich viel gar nichts! Natürlich kann man sich 7 Tage lang ex Moskau in die Transsibirische Eisenbahn setzen – und schon ist man in Peking. Doch alles, was man dabei sieht, sind andere Touristen im Zug sowie eine Landschaft, die wie im Film an einem vorbeizieht. Das ist nichts für mich.

Außerdem verläuft unsere Flugstrecke nur zwischen Moskau und Novosibirsk entlang der Transsibirischen Eisenbahn. Dann wechseln wir zur Novokutznetsk-Abakan Strecke. Von dort gibt es keine Eisenbahn mehr, denn da überfliegen wir das Sayan Gebirge und erreichen vor der Mongolei noch die Teilrepublik Tuva. Eingeschlossen vom Sayan, dem Tannu, dem Altai Gebirge und der Mongolischen Steppe ist dies ein wunderschönes und kaum erschlossenes Fleckchen Erde, in dem sich noch viele alte Traditionen und Brauchtümer bewahrt haben. Speziell berühmt sind die Zweitonsinger und auch der Schamanismus ist allgegenwärtig.

An der Grenze --> Sibirien, Mongolei und Tuva

Am meisten hatte mich immer fasziniert, dass ich ca. eine halbe Stunde lang vom Flieger aus keine Anzeichen von Zivilisation erspähen konnte: eine wahre Herausforderung für mich. Ich kam diesmal von der anderen Seite; ich fuhr von Peking los und musste zwei Wochen durch die Mongolei autostoppen, um die Grenze nach Tuva zu erreichen.

Der Grenzübergang ist ausschließlich für Mongolen und Russen vorgesehen und entsprechend überrascht waren die Grenzbeamten auf beiden Seiten über mein Erscheinen. Ein weiterer Vorzug Sibiriens besteht darin, dass es heute zwar sehr viele und strenge Gesetze gibt, in der Praxis überwiegt aber die Neugierde und Gastfreundschaft. Und so wurde mir am Abend im ehemaligen KGB-Gebäude nach der ersten Flasche Wodka versichert, dass ich der einzige Tourist wäre, der jemals über diese Grenze gekommen ist. Die zweite Flasche tranken wir dann auf die russisch-österreichische Freundschaft.


Allein unterwegs --> Tuva, Kyzyl und der Fluss Jennisey

Zeitig am nächsten Morgen brachte ein Bus mich und meine Kopfschmerzen in Tuvas Hauptstadt Kyzyl. Diese liegt am Zusammenfluss des Kleinen und Großen Jennisey. Genau dort steht auch ein Obelisk, der das geographische Zentrum Asiens markiert. Ein Sammeltaxi brachte mich noch 60 km weiter flussaufwärts. Danach gab es nur noch meine Beine als Transportmittel und rund um mich unglaublich viel Taiga!

Zehn Tage lang wanderte ich alleine durch unberührte Landschaft, durchquerte barfuß wilde Bäche, kochte abends mein Essen am Lagerfeuer und schlief in meinem Zelt. Unterwegs traf ich Einsiedler, Jäger und ein paar Farmer. Überall wurde ich freundlich und neugierig aufgenommen und versorgt. Doch viele Tage war ich auch ganz alleine ohne jeglichen menschlichen Kontakt. Natürlich gibt es auch allerlei wildes Getier: Hirsche, Bären und Wölfe bewohnen das Sayan Gebirge. Die häufigsten und gefährlichsten Tiere sind allerdings viel kleiner – Zecken. An der durch sie übertragenen Enzephalitis sterben mehr Menschen als durch jedes andere Tier. Ich habe es überlebt, denn ich kann mir eine Impfung um umgerechnet € 3 leisten.


Um eine Erfahrung reicher --> Sayan Gebirge

Heute schaue ich wieder, im Flugzeug sitzend, aus zehn km Höhe auf das östliche Sayan Gebirge. Nun weiß ich, was sich dort unten befindet: ein Zeltplatz an einem kleinen Fluss, davor eine Feuerstelle und rundherum die Weite und Einsamkeit der sibirischen Taiga. Vielleicht sitzt ja gerade jemand dort und wärmt sich am Lagerfeuer. Dann blickt derjenige wohl in den Himmel und sieht einen weißen Kondensstreifen hoch über sich, so wie ich letztes Jahr. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass da unten wer sitzt, ist äußerst gering. Schließlich gibt es wohl nicht sehr viele Menschen, die gesperrte Grenzen passieren, um zu Fuss einem Flugzeug nachzuwandern!




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